Rezension von „Meine Buchtipps“

Von „Meine Buchtipps“ gab es eine ehrenwerte, ehrliche 3-Stern-Rezension!
Vielen Dank dafür!

Eines hat mich Giersche auf jeden Fall: überrascht! Ich darf gut und gerne behaupten, dass mich ein Autor schon sehr lange nicht mehr so überrascht hat. Giersches Debütroman hat durchaus seine großen und kleinen Schwächen, aber im Großen und Ganzen ist die Geschichte gelungen. Das Genre ist definitiv im Horror-Sci-Fi-Bereich angesiedelt, denn entweder das Buch driftet nach guter alter Stephen King-Manier total in diese Ecke ab, oder aber man glaubt sich in einem Roland Emmerich-Film wiederzufinden; Will Smith starrt einen manchmal richtig durch das Buch an.

Einiges hat mir aber auch so gar nicht gefallen und waren die Kritikpunkte, warum das Buch keine 5 Sterne bekommen konnte: Giersche hat oft eine Sprache die recht derb wirkt bzw. ist und teilweise Wortkreationen, die kein Mensch versteht: friemelt (an der Türe herum; ich nehme einmal an es soll „fummeln“ bedeuten); Treppenstein (?), kreatürliche Begierde (?), Mordbrennerei (?), Husarenstück (statt Glanzleistung) und Babys quieken bei Giersche (wie Ferkel).

Weiters gefiel mir teilweise die ordinäre Sprache nicht: Pissen ist generell ein unschönes Wort, dies aber 3 Seiten quasi in ständiger Wiederholung zu lesen, fand ich grausam; ebenso „S******“ oder „Arsch“ hat in einem Buch nichts verloren. Egal ob Horror-Sci-Fi oder sonstige Genren. Einige Füllwörter und sinnlose Nebensätze hätten vom Lektor gestrichen werden müssen, sie sind unlogisch und lässt den Leser glauben, Giersche meint, sein Leser sei dumm. Das Wort „eigentlich“ sollte ersatzlos aus Giersches Wortschatz gestrichen werden; würde ich es suchen, würde ich es wahrscheinlich auf jeder Seite finden. Was mich zum Lektor und Korrektorat bringt. Manchmal sind wirklich böse Schnitzer drinnen; wenn einmal bei einem „einen“ das „en“ fehlt, so ist das verkraftbar; aber Satzzeichen, ganze eingefügte oder gestrichene Sätze, die sich dann doch wieder drinnen befinden, befand ich zu schnell abgehandelt und nicht korrekt. Gegen Schluss wird ein ganzer Protagonist umgetauft und man fragt sich verzweifelt wer ist „David“, bis man merkt dass „Adam“ gemeint war. Hier hat jemand ganz schön geschlampt!
Auch ein paar Sprichwörter wurden verändert, was den Leser etwas ratlos zurück lässt: Klump und Asche (Schutt und Asche); ich reiße dir deinen Arsch soweit auf, dass dieser verdammte Zug darauf wenden kann (richtig wäre: darin; denn der Arsch wird ja aufgerissen).

Zu guter Letzt die beiden Hauptprotagonisten: Fred Linder und Laurenz Beck sind meine zwei absolute Favoriten, wobei mir Linder viel zu handzahm wurde; Beck das personifizierte Böse hat mich so herrlich an Leland Gaunt (In einer kleinen Stadt/King) erinnert, das sowieso mein Lieblingsroman war. Laurenz Beck wäre mein Favorit für ein Buch nur über ihn; ein Thriller der Sonderklasse könnte hier entstehen. Der Pfahlmann war die spannendste Geschichte und viel zu kurz. Das war generell ein Problem fand ich. Auf 296 Seiten kann man leider nicht die ganze Welt explodieren lassen; auch wenn ganz am Anfang der Leser auf die Spur von London geführt wird, richtig viel „Welt“ bekommt der Leser nicht; kurz mal Australien, ein Tanker auf hoher See und so nebenbei Geschichten, wer wie oft wo reinfliegt. Diese nebenbei Geschichten haben mich sehr fraglich gestimmt, gerade am Anfang hetzt Giersche dort durch, anstatt sich an eine Story zu binden und zu erzählen; ehrlich gesagt, hätte ich anfangs fast entnervt aufgegeben, als ich weiterblätterte und feststellte, ah, die Story beginnt erst. Hier hätte Giersche gut und gerne 200 Seiten mehr schreiben müssen, um dem Leser auch einen Vorstellungsraum zu bieten. Gott spricht schließlich nicht jeden Tag zu jemanden.
Die Schreibweise von Giersche ist teils teils. Manchmal sehr gut und flüssig lesbar, manchmal zu derb und manchmal einfach eigenartig. Wortkreationen sind ja gut und schön, allerdings sollte sie jemand auch außerhalb des Wohngebietes verstehen; hier wurde anscheinend zuviel Dialekt vorausgesetzt. Warum „Adam“ in der Ich-Version, alle anderen aber in der „er, sie“-Version geschrieben wurden, blieb mir ein Rätsel.

Und bevor ich nun mein Fazit schreibe, noch 2 Anregungen: Der Fettdruck, Großbuchstaben und …-Sätze haben in Romanen nichts verloren. Gerade bei den Zitaten nervt es, wenn alles in Fettdruck geschrieben wird, allerdings keinerlei Erklärung wer das ist. Hier wiederum setzt Giersche zuviel heraus. Der Leser muss und kann nicht alles kennen, wer z.b. Maria Sassin, Igor Schabratzki und Acapulco Gold ist, blieb mir verborgen. Da es kein Dankeswort und auch kein Nachwort oder Erklärungen zu den Zitaten gibt, muss der Leser wohl selbst Google und Co bemühen.

Fazit: „Es würde viel weniger Böses auf Erden geben, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte.“ Marie von Ebner-Eschenbach
Ich sage: „Es würde viel weniger Böses auf Erden geben, wenn das Böse niemals im Namen „Gottes“ getan werden würde.“
Giersches Roman war für mich eine (die) Überraschung (des Jahres). Von einigen Schwachstellen einmal abgesehen, ist der Roman spannend und gut erzählt. Die vielen King-ähnlichen-Stellen, verzeiht man, da Giersche immer wieder sein Eigenes daraus macht. Einige Punkte haben mich wirklich gestört, welche ich oben ausgeführt habe; gerade der so wichtige Anfang hinkte schwer dem Rest hinterher. Manche Wortkreationen, derben oder gar ständige Fäkalausdrücke hätte sich er Autor sparen können, auch das Wort „eigentlich“ kann man ersatzlos streichen. Die zeitweiligen Logiksprünge und Heldendarbietungen erinnern an manchen Will Smith-Film. An manchen Stellen hätte ich mir ein besseres Lektorat oder Korrektorat gewünscht. Die Protagonisten sind gut erzählt, allerdings sowohl Fred Linder als auch Laurenz Beck (vor allem er) hätten sich mehr Story verdient. 200 Seiten mehr, hätte die Geschichte vertragen, alles in allem ist sie jedoch für ein Debüt gelungen. Bernhard Giersche ist wohl ein Name, den man sich auf seinen zukünftigen Lesezettel schreiben sollte.
Viel Spaß!

Weitere Infos zum Blog findet ihr hier: Meine Buchtipps

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